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Erklärung zum Internationalen Frauentag 2018 auf dem Alten Markt in Herford.

Inge Höger

 

In diesem Jahr feiern wir 100 Jahre Frauenwahlrecht! Es war der Rat der Volksbeauftragten, der während der Novemberrevolution von 1918 ein Gesetz erließ, mit dem Frauen in Deutschland erstmals das aktive und passive Wahlrecht erhielten. Lange musste die Frauen- und Arbeiterinnenbewegung dafür kämpfen.

 

In Zeiten des Faschismus wurden Frauen an Heim und Herd zurück geschickt, in der Endphase aber mussten sie die Kriegsproduktion aufrechterhalten. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs schafften Frauen zunächst die Trümmer beiseite, um dann erneut von den aus dem Krieg zurück kehrenden Männern ins Haus geschickt zu werden. Aber mutige Frauen – u.a. Frida Nadig aus Herford -  erreichten im Parlamentarischen Rat, dass im Grundgesetz festgeschrieben wurde: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Für die Umsetzung dieses Grundsatzes mussten die Frauen trotz alledem noch jahrzehntelang kämpfen. Der Kampf der Frauen um ihre Rechte geht heute weiter.  Alljährlich am 8. März wird weltweit der Kampf für die Gleichberechtigung gefeiert und bekräftigt!

 

In den Nachkriegsjahren konnte der Ehemann jeder Zeit das Arbeitsverhältnis seiner Frau kündigen, sie aber umgekehrt zu einer außerhäuslichen Erwerbstätigkeit zwingen. Ein so genanntes Doppelverdiener-Gesetz erlaubte die Entlassung verheirateter Beamtinnen. Noch viele Jahre wurden in Tarifverträgen sog. Entgeltabschlagsklausen festgelegt, nach denen Frauen zwischen 10 und 30 % weniger Lohn bekamen als Männer.

 

Inzwischen haben Frauen das Recht auf Ausbildung und Berufstätigkeit erkämpft. Immer mehr Frauen sind berufstätig, leider oft unter prekären Bedingungen: für niedrigste Löhne, in unfreiwilliger Teilzeit, befristet oder in Minijobs. Nach wie vor verdienen Frauen in Deutschland bei gleichwertiger Arbeit im Durchschnitt 21 % weniger als Männer. In Bereichen, in denen überwiegend Frauen arbeiten sind die Arbeitsbedingungen schlecht und die Löhne niedrig. Frauen stehen vor ungelösten Arbeitszeitproblemen, haben geringere Karrierechancen und zum Schluss eine kleinere Rente als Männer.

 

100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts ist das deutsche Parlament so männlich wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Nur ein Drittel der Abgeordneten sind Frauen. Und Rechtspopulisten, mit ihrem rückständigen Frauenbild und ihren Familienvorstellungen von gestern, wollen Frauen wieder in enge Schranken weisen.

 

Auch die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise ist noch nicht ausgestanden. Trotzdem muss gerade jetzt auch die Gleichstellung der Geschlechter in Wirtschaft und Verwaltung, in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft auf der Agenda bleiben. Wir brauchen dringend gute und gleichwertige Lebens- und Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer!

 

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