Gedenkgang zum Gedenken, Stolpern und Sprechen
Gedenkgang 9.November | 16:30 Uhr | Gedenkstätte Zellentrakt
Wir laden euch herzlich ein zum etwas anderen Stadtgang im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, anlässlich des Gedenktages an die Reichspogromnacht. Am 09.11. um 16:30 Uhr möchten wir gemeinsam die Veranstaltung in der Gedenkstätte Zellentrakt eröffnen. Der Bürgermeister der Hansestadt Herford Tim Kähler und der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Herford Dr. Olaf Reinmuth werden uns ihre Grußworte mit auf den Gedenkgang geben.
Nach dieser kurzen Eröffnung begeben wir uns gemeinsam auf einen Gang durch die Stadt. Über ausgewählte Stolpersteine wollen wir ganz bewusst stolpern, Blumen niederlegen und auf dem Weg entlang an Synagoge und jüdischem Friedhof innehalten und an die Reichspogromnacht erinnern. Zum Abschluss des Rundganges hören wir gemeinsam eine Lesung aus einer Erzählung der deutsch-israelischen Schriftstellerin Jenny Aloni im Haus FRIEDA.
Gerne möchten wir den Abend gemeinsam ausklingen lassen und laden daher alle herzlich zum Beisammensein und zum Austausch ein.
Die Veranstaltung ist frei, über eine Spende würden wir uns freuen.
Kooperationspartner der Veranstaltung: Evangelischer Kirchenkreis Herford, Evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreisverband Herford, Lübbecke, Minden, Vlotho, Kommunalarchiv Herford, Gedenkstätte Zellentrakt, Kuratorium Erinnern, Forschen, Gedenken
Erinnern heißt Partei ergreifen
Kundgebung 9.November | 17 Uhr | Gedenkort der ehemaligen Synagoge, Eschstr. 10, Bünde
Veranstaltet von: Initiative 9.November Bünde
Gedenken heißt kämpfen!
Demonstration 9.November | 19Uhr | Hauptbahnhof Bielefeld
„Montag werden wir, wenn‘s gut geht, am Ziel sein.“
Das schrieb Thekla Lieber in einer ihrer Postkarten über ihre Deportation an ihre Kinder. Thekla Lieber war Bielefelderin. Und sie war Jüdin. Im Juli 1942 wurde sie vom Sammellager Kyffhäuser aus deportiert. Sie wird nach Auschwitz gebracht. Niemand aus der Deportation überlebte.
Das Bild unseres diesjährigen Aufrufes zur „Gedenken heißt kämpfen“ Demonstration zeigt, wie Thekla und auch viele andere Jüd*innen Briefe und Nachrichten aus den Deportationszügen warfen.
Bereits im November 1938 müsste Thekla mitansehen, wie das Geschäft ihrer Familie zerstört wurde.
In der Nacht vom neunten auf den zehnten November 1938 machten sich SS-Männer in schwarzen Uniformen auf den Weg zur Synagoge in der Turnerstraße. Dort nutzten sie Brandbeschleuniger und Werkzeuge der Feuerwehr, um das jüdische Gotteshaus gezielt zu zerstören.
Dass diese Schreckenstat nicht allein vom faschistischen Regime ausging, sondern von breiten Bevölkerungsteilen Unterstützung erfuhr, verdeutlichte sich durch die gaffende Menge, durch Schulkinder, die frei bekamen, um an dem historischen „Schauspiel“ teilhaben zu können, durch eine Feuerwehr, die erst nach Stunden anrückte – nicht, um den Brand zu stoppen, sondern einzig und allein, um ihn von den Nachbarhäusern fernzuhalten.
Wie tief verwurzelt die Entmenschlichung von jüdischen Menschen und der Hass auf jüdisches Leben in der deutschen Gesellschaft bereits war, konnte auch an der Reaktion auf die Pogromnacht beobachtet werden, in der nicht nur die Synagoge zerstört, sondern 17 jüdische Geschäfte in Bielefeld verwüstet und teilweise geplündert wurden. Die Aktion stieß allgemein auf Zustimmung, es gab kaum öffentlichen Widerspruch.
Der 9. November 1938 markierte den Übergang von der Diskriminierung und Entrechtung von Juden*Jüdinnen in Deutschland hin zur systematischen Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens. So wurden in der Pogromnacht bereits dutzende Juden*Jüdinnen verhaftet und nach Buchenwald gebracht, wo sie unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten wurden.
Es ist an uns sicherzustellen, dass es solche Schreckenszeiten nie wieder geben kann!
Kommt deshalb am 9.November mit uns auf die Straße!
Denn Gedenken heißt kämpfen!
veranstaltat von: Antifa Bündnis Bielefeld
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