Redner Ulrich Adler
Liebe Bürgerinnen und Bürger
Heute am 66. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima sind Aktionen für nukleare Abrüstung und überhaupt gegen Krieg als Mittel der Politik aktueller denn je.
Das Erinnern an historische Ereignisse macht es möglich aus dem Vergangenen zu lernen, von positiven Errungenschaften, wie eben auch von fürchterlichen Katastrophen, wie die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki.
Die Atombombenabwürfe waren eine Zäsur in der Geschichte der Menschheit.
Sie machten jedem fühlenden und denkenden Menschen deutlich, dass Kriege in letzter Konsequenz geführt, zum Untergang der Menschheit führen.
Und: Hiroshima mahnt!
„Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch.“
Heute lasen wir in den Zeitungen in großen Lettern:
Gleichzeitig erfahren wir von einem Naziaufmarsch am heutigen Abend in Bielefeld und in anderen Städten.
Wir müssen handeln, sonst kommt alles noch einmal.
Um weitere Menschheitskatastrophen zu verhindern, müssen wir handeln, solange das große Übel noch klein ist.
Jüngst wurde in Norwegen erschreckend deutlich, welche Gefahr von Rechtsradikalen droht.
Der Massenmörder Anders Behring Breivik steht mit seinen gesellschaftlichen Anschauungen nicht alleine da.
Mit islamfeindlichen Parolen hat sich in Norwegen die populistische, sogenannte Fortschrittspartei mit 23 Prozent zur zweitgrößten Kraft gemausert.
Ein führender Parteifunktionär dieser Fortschrittspartei, Christian Gjedde machte immer wieder Stimmung gegen plural-kulturelle gesellschaftliche Entwicklungen.
Der „ArbeiterPartei“ Norwegens warf der Rechtspopulist vor, dass sie die norwegische Kultur durch „Multi-kulti“ ersetzen wolle.
Solche Hetze kommt nicht nur in Norwegen, sondern in vielen europäischen Ländern und eben auch bei uns zunehmend an.
Insbesondere bei drohendem Wohlstandsverlust und der grassierenden Weltwirtschaftskrise haben Rechtspopulisten Zulauf.
Es werden wieder Feindbilder aufgebaut.
Weltweite Verteilungskriege drohen zu eskalieren.
Liebe Bürgerinnen und Bürger
In aller Deutlichkeit sei es unserer Öffentlichkeit gesagt:
Plural-kulturelle Verflechtungen waren für jedes Land immer ein Multiplikator besonders guter gesellschaftlicher Entwicklungen.
Das zeigte sich auch in der deutschen Geschichte in Preußen:
Im Preußen des 18. Jahrhunderts wurde in drei Sprachen gesprochen.
Das Königsberg dieser Zeit war durch Offenheit und Toleranz geprägt.
Immanuel Kant, der Repräsentant ostpreußischer Geistesgeschichte, hielt „Königsberg für den schicklichsten Platz zur Erweiterung der Menschenkenntnis und der Weltkenntnis.
Das Königsberg des 18. Jahrhunderts wirkt bis heute als geistesgeschichtliches Vermächtnis nach.
In seinem philosophischen Entwurf „Zum ewigen Frieden“ skizzierte Kant die Idee eines Weltbürgerrechts, das kein phantastisches Recht ist, sondern eine notwendige Ergänzung der Menschenrechte, sowohl im Staats- als auch im Völkerrecht und damit ein Beitrag zum ewigen Frieden.
Ihm ging es nicht um eine philantrophische Geste, sondern um
„das Recht eines Fremdlings seiner Ankunft auf dem Boden eines anderen wegen, von diesem nicht feindlich behandelt zu werden.“
Mit Kant entstanden die geistigen Grundlagen eines Preußentums, das seine Wurzeln in der Königsberger Gelehrtenwelt hatte und tolerant war aus Vernunft.
Schon der Große Kurfürst ließ nach Krieg und Pest die Tore seines entvölkerten Landes weit offen und nahm viele auf, die andernorts bedrängt wurden:
Mennoniten aus den Niederlanden
Hugenotten aus Frankreich
Preußens und Deutschlands Drama war, dass die Errungenschaften der preußischen Geisteswelt von den späteren Preußen in eine entgegen gesetzte Richtung gelenkt wurden.
Nicht Toleranz und Vernunftsetzten sich durch, sondern mit Hass und Gewalt wurde ein gutes Erbe verspielt.
Wer weiß heute schon, dass Wilhelm von Humboldt, nach dem heute viele elitäre Gymnasien benannt sind, eine Grundschule und ein Gymnasium für alle wollte, also eine Schule für alle.
Soweit zu plural-kulturelle Erfahrungen in unserer Vergangenheit und der Verlogenheit der Feindbildbeschaffer durch diffamiertes „Multi-Kulti“
Liebe Bürgerinnen und Bürger
Zur aktuellen atomaren Bedrohung sei erinnert:
30 000 nukleare Sprengköpfe bedrohen die Menschheit.
Sie sind mehrheitlich im Besitz der USA.
450 Kernwaffen der USA befinden sich in den offiziell atomwaffenfreien Staaten Europas und in der Türkei, das sind mehr Atomwaffen, als China besitzt.
150 Sprengköpfe sind in Deutschland stationiert.
92 Prozent der Deutschen unterstützen die schnelle Beseitigung dieser Atomwaffen.
Mohamed el Baradei, jahrelang der Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO wurde vor Jahren gefragt, wann die Gefahr eines Atomkrieges am größten gewesen sei.
Er sagte nur zwei Worte: „Gerade Jetzt!“
Immer wieder mahnte er zur Abrüstung:
„Wir sind alle eine menschliche Familie und ob wir es wollen oder nicht, wir sitzen alle in einem Boot.
Das einzig sinnvolle und erstrebenswerte Ziel, ist die Sicherheit aller Menschen.“
Andrej Sacharow, Erfinder der russischen Wasserstoffatombombe, kam zu der späten Erkenntnis:
„Die Verringerung des Risikos, dass die Menschheit in einem Atomkrieg ausgelöscht wird, hat Vorrang vor allen sonstigen Überlegungen.“
Wir sind aktuell aufgefordert, Wege zur gewaltfreien Heilung gefährlicher Konflikte und zur Humanisierung unserer Kultur zu finden.
Ansätze dazu gab es in unserer Geschichte immer wieder.
Es ist eine Überlebensfrage der Menschheit, Humanität und Toleranz für alle Zukunft umzusetzen.
Hiroshima mahnt:
Von der jetzigen Politik fordern wir:
Danke für die gewährte Aufmerksamkeit