15. Dezember 2011 Ulrich Adler

Presseerklärung - Fragen zum Brandanschlag

Seit Jahren erschienen von der Löhner Bürger Allianz (LBA) massenhaft verteilte Schriften, in denen gegen andere Kulturen, insbesondere gegen den Islam, gegen Menschen, die um Asyl begehren und gegen Linke, die für eine weltoffene und vielfältige Gesellschaft eintreten, Stimmung gemacht wurde.

Im August 2006 verteilte die LBA an jeden Löhner Haushalt eine Schrift, in der in übler Art und Weise gegen Asylbewerber, den Islam und gegen Andersdenkende aufgewiegelt wurde.  Pauschal wurden z.B. alle Bewohner des Löhner Asylbewerberheims an der Bünder Straße als Drogendealer bezichtigt und die Menschen, die Asylsuchenden Unterstützung gewähren wollten, verhöhnt. Die Diffamierung las sich wie folgt:

 

 „Die pastorale und propagandistische Betreuung der Drogendealer und ihrer Mitbewohner wird hingegen einfühlsam und kompetent vom Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche, Kirchenkreis Herford, wahrgenommen. Der haupt- und nebenamtliche Einsatz von Bhazad Hamadeh und Pfarrer Peter-Michael Voss ist hier besonders rühmend hervorzuheben (da weiß ich doch, wofür ich meine Kirchensteuer zahle)…..die schuldbeladenen Deutschen haben immerhin pflichtvergessen versäumt, den materiellen Lebensstandart in Afrika, Asien und Übersee so anzuheben, dass Wirtschaftsfluchten überflüssig wären.“

 

Ein paar Tage nach Verteilen der Schriften, in denen diese Hetze zu lesen war, wurde ein  Brandanschlag auf das Asylbewerberheim  verübt. Der/die Täter wurden nie gefunden. Damals wie heute stellt sich die berechtigte Frage, ob die Täter aus dem Umfeld der LBA kam/en  oder ob es ein kriminelles Delikt war, welches im Windschatten der geschürten Asylbewerberfeindlichkeit verübt wurde. Die Brisanz dieser Fragen wurde  durch die rechtsextremen Terroranschläge des letzten halben Jahres deutlich. In Norwegen fühlte sich ein gestörter Mensch in seinem Fremdenhass und dem  Hass auf den Islam dazu getrieben,  massenhaft Mitglieder einer Jugendorganisation zu exekutieren, weil sie sich für eine bunte, vielfältige Gesellschaft einsetzten. In Deutschland  wurde vor ein paar Wochen aufgedeckt, dass Rechtsextreme jahrelang gezielt Migranten ermordeten und dieses schon seit einem Jahr in ihren öffentlich zugänglichen Medien als „Dönermorde „ feierten und weitere Morde forderten. – Da stellen sich wiederum viele Fragen: Warum wurde all die Zeit von den Behörden nichts bemerkt?  Warum wurde die menschenverachtende  Auslanderfeindlichkeit und der geschürte  „Kulturkampf“ nicht schon seit langem entschieden geächtet? Unsere Zivilisation steht vor einem Scheideweg: Hin zum Kampf der Kulturen und der Barbarei, in der nur das Recht des Stärkeren gilt, oder hin zu einer Welt, in der die Würde aller Menschen geachtet wird. Eine Welt der Gerechtigkeit und Solidarität ist möglich und ihre Werte können auch schon jetzt gelebt werden. Damit die Menschheit überleben kann müssen Solidarität und Gerechtigkeit  die entscheidenden Grundwerte unserer Zivilisation werden,. Den Kalten Kriegern des Kampfes der Kulturen sei  die Frage gestellt, ob sie sich über die Folgen ihres Tuns im Klaren sind?