2. September 2014 Ulrich Adler

Rede am Weltfriedenstag 2014 in Herford

Heute vor 75 Jahren begann Deutschland mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg. Wir erinnern an den Kriegsbeginn und machen aus dem 1. September einen Weltfriedenstag. Aktuelle Kriege, weltweit geführt, lassen uns mahnen Krieg darf kein Mittel der Politik sein:

Ich möchte zum Konflikt in der Ukraine reden. Die Bundesregierung, EU und USA starteten in den letzten Wochen einen heißen Wirtschaftskrieg mit Russland.

Selbst Militärexperten, wie der ehemalige Verteidigungsexperte  Volker Rühe, Altbundeskanzler Helmut Schmidt und der ehemalige außenpolitische Berater von Helmut Kohl  Horst Teltschik warnten vor Wirtschaftssanktionen gegen Russland.

„Sanktionen verschärfen die Spannungen nur“ so Horst Teltschik.

Auch die deutsche Wirtschaft ist in der Frage der Sanktionen gegen Russland gespalten.

Der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen Harald Grefe warnte:

„Ich befürchte, dass damit eine Spirale in Gang gesetzt wird, die am Ende nur Verlierer kennt.“

Ganz anders die deutsche und internationale Öl- und Energieindustrie. Sie möchten die Energiekonkurrenten aus Russland ausschalten und uns das Fracking - Gas aus den USA verkaufen. Deutlich wurde, dass sie auch in der Ostukraine ihre Claims für Fracking abstecken wollen. Die Natur-Ressourcen der Ukraine wecken erneut Begehrlichkeiten.

Einige Wirtschaftskreise wollen in der Ukraine anscheinend im Nachhinein die Kriegsziele des Ersten und Zweiten Weltkrieges verwirklichen. Wie oft Wirtschaftskriege in militärische Konflikte ausgewachsen sind, haben wir in der Geschichte oft genug erlebt.

 

Deshalb ist die Warnung von Bertolt Brecht aktuell wie damals:

 

 An die Völker:

„Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre Vorstellungskraft für kommende Leiden ist fast noch geringer.

 

Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die Vergangenen wie armselige Versuche sind, wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden.“

 

Ein militärisch ausgetragener Konflikt mit Russland, der in einen Atomkrieg enden könnte, bringt die Vision einer Apokalypse greifbar nahe.

Es ist die Zeit gekommen, dass die Menschen in das Weltgeschehen eingreifen.

Die Mahnungen der Schriftsteller Bertolt Brecht, Erich Kästner, Heinrich Böll, Wolfgang Borchert nach den großen Weltkriegen sind  heute genauso aktuell, wie in Zeiten des Kalten Krieges:

 

„Sagt Nein!“

   

Aus der Erfahrung der Vergangenheit ist es dringend geboten, dass die Mehrheit der Menschen sich in die Frage „Krieg oder Frieden“ einbringen. Für den Frieden zu  demonstrieren ist das Gebot der Stunde. Jugendliche aus dem Kreis Herford machen es uns vor. Sie  werben in Belarus nach zwei Weltkriegen für Versöhnung und  renovieren gemeinsam mit jungen Weißrussen die Häuser von älteren Bewohnern. Es ist ein Projekt des Kirchenkreises Herford, das vor 17 Jahren gestartet wurde. Auch ich habe als junger Mensch ein Zeichen gesetzt. Während meiner Bundeswehrzeit im Jahr 1973 habe ich in Uniform bei den Kriegsgräbern in Stukenbrock einen Kranz niedergelegt mit der Aufschrift:

 

„Nie wieder Krieg“

 

Dafür bin ich damals disziplinar bestraft worden, weil das angeblich eine parteipolitische Veranstaltung war. Gleichzeitig saßen ungestraft deutsche Generäle in Uniform auf Parteitagen der NPD. Das  Gedenken an die ermordeten 65 000 Kriegsgefangenen in Stukenbrock wird auch heute noch gewahrt.

 

Der Arbeitskreis „Blumen für Stukenbrock“ ruft zu einer Mahn- und Gedenkveranstaltung am 6. September auf. In dem Aufruf heißt es:

 

„Nie darf vergessen werden, wie viel Leid und Elend der Menschheit mit den Weltkriegen angetan wurde. Das „Nie wieder Krieg und Faschismus“ von 1945 sollte als stete Mahnung an die Überlebenden und die kommenden Generationen verstanden werden.

 

In dem Aufruf des Arbeitskreises Blumen für Stukenbrock wird gefordert:

 

  • Schluss mit dem kalten Krieg gegen Russland
  • Deutsche Außenpolitik muss Friedens- und Entspannungspolitik sein
  • Ob in Syrien oder der Ukraine: Alles ist zu tun für friedliche Konfliktlösungen!
  • Rüstungsexporte stoppen, denn Rüstung begünstigt Kriege!
  • Keine Modernisierung der Atomwaffen, sondern ihren Abzug!

 

Für diese Ziele gilt es zu demonstrieren und möglichst viele Menschen weit über die Parteigrenzen hinaus  zu gewinnen. Wir sind vor Ort gefordert, die Menschen für den Frieden zu mobilisieren. Der Stadtrat in Löhne hat mit den Stimmen der SPD, der Grünen und der Linken am vergangenen Mittwoch folgende Beschlüsse gefasst:

 

1.)„Der  Rat der Stadt Löhne ruft angesichts eskalierender Kriege in Europa und der Welt die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Löhne dazu auf, sich an der Mahn- und Gedenkveranstaltung  am 6. September in Stukenbrock-Senne zu beteiligen.“

 

2.)„Der  Rat der Stadt Löhne appelliert an die Bundesregierung, friedliche Konfliktlösungen in Europa und der Welt anzustreben. Anstatt Wirtschaftssanktionen gegen Russland eskalieren zu lassen, die die Welt in eine friedensgefährdende Konfrontation hineintreiben, fordert der Rat der Stadt Löhne die Bundesregierung dazu auf,  die bestehenden Konflikte um die Ukraine auf diplomatischem Weg über Verhandlungen  zu lösen. Im Atomzeitalter ist eine aktive Friedenspolitik alternativlos!“

 

Der Aufruf des Löhner Stadtrates und sein Appell an die Bundesregierung sollte schnell Verbreitung finden. Leider erleben wir, dass die Beschlüsse des Löhner Stadtrates von der Lokalpresse bislang noch nicht veröffentlicht wurden. Es ist unser Anliegen für den Frieden unüberhörbar einzutreten. Ich freue mich, dass so viele anlässlich des Antikriegstages  zu dieser Mahnwache und Friedenskundgebung gekommen sind.

Wir dürfen uns von den Kritikern der Friedensbewegung nicht einschüchtern lassen.

Der Herausgeber der „Zeit“ Josef Joffe schrieb in der letzten Woche:

 

„Im Angesicht des Bösen ist Pazifismus das Gegenteil von Moral“

 

Lassen wir uns nicht beirren. Zu friedlichen Konfliktlösungen gibt es keine Alternative!

Und die Friedensbewegung lässt sich auch nicht als „Putinversteher“ diffamieren. Besonders im Ukrainekonflikt lässt sich die Friedensbewegung von keiner  der Konfliktparteien einseitig vereinnahmen. Der vietnamesische Friedensaktivist und Zen-Meister Thich Nhat Hanh lehrte uns für keine Konfliktgegner  Partei zu ergreifen.

Dafür wurden er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter von Kommunisten und den südvietnamesischen USA-Vasallen verfolgt. Vordenker  und Friedensaktivisten wie Nelson Mandela, Martin Luther King, Thich Nhat Hanh und Mahatma Gandhi führten einen effektiven und anerkannten Friedenskampf. Sie waren keine weltfremden Träumer, sondern die Gestalter einer neuen friedlichen Weltordnung. Eine friedliche Weltordnung ist ein Ziel, das es endlich durchzusetzen gilt.

 

Frieden schaffen – ohne Waffen!

 

Dies ist eine der entscheidenden Fragen des Überlebens der Menschheit!

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Friede ist der Weg!“, so Mahatma Gandhi.

 

 

Vielen Dank für die gewährte Aufmerksamkeit