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13. Januar 2018 Bündniss gegen die Tönnies-Erweiterung

Das Wildschwein: der Sündenbock für die Afrikanische Schweinepest

Bereits am Morgen des 09.01.2017 wurde in Bielefeld rund um die A2 eine großangelegte Massenjagd auf Schwarzwild mit etwa 100 Jägern aus acht Revieren ausgerufen.



Das Wildschwein: der Sündenbock für die Afrikanische Schweinepest
Infoveranstaltung zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Kreishaus Gütersloh am 09.01.2017




Begründet wurde diese mit einer angeblichen, möglichen Kontaminierung von achtlos weggeworfenen Essensresten in der Nähe der Autobahn: die Wildschweine könnten sich mit aus Osteuropa eingeschleppten ASP-Viren infizieren. Alles rein spekulativ, denn aktuell gibt es keinen einzigen Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland. Der ASP-Virus stellt für den menschlichen Organismus kein Risiko dar. Befreundete Aktivisten verschiedener Tierschutz-Organisationen waren ab 6 Uhr morgens vor Ort und störten die Jagdaktivitäten. Trotzdem wurden etwa 20 gesunde Tiere getötet: Wildschweine und Rehe, wobei Rehe nicht zu den Überträgern der Seuche gehören. Printmedien und die Aktuelle Stunde berichteten.
Ebenfalls am 09.01.2017 um 19 Uhr lud das Kreishaus Gütersloh überregional zu einer Informationsveranstaltung über die Afrikanische Schweinepest ein. Wir haben mit zwei weiteren Tierrechtlerinnen an dieser Veranstaltung teilgenommen. Die Veranstaltung war mit etwa 200 bis 300 Personen gut besucht. Nach einem recht informativen und sachkundigen Vortrag von Herrn Dr. Piontkowski, Ministerium für Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen über den aktuellen Stand der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Osteuropa folgte ein weniger lehrreicher als eher militärisch-strategischer Appell durch den Präsidenten des Deutschen Jagdverbandes, Herrn Müller-Schallenberg. Dieser räumte im Verlaufe seines Vortrages ein im Rahmen einer Wildschweinjagd auch schon mal eine tragende Bache geschossen zu haben. Mit den Worten: „Die war ‚inne‘- tja, das passiert!“ besänftigte er die Jägerschaft, man solle nicht zu hart mit sich selber ins Gericht ziehen. Weiter ging es in der Belehrung darum, mögliche hypothetische Fälle von ASP und die Vorgehensweise im Falle eines Auftretens der Seuche in Deutschland aufzuzeigen. Hierbei wurde in erster Linie das Wildschwein als gefährlichster Überträger ins Visier genommen, weniger aber der Mensch als eigentlicher Verursacher ins Auge gefasst. Nun war auch nicht mehr nur von einer “drastischen Dezimierung“ der Wildschwein-Bestände die Rede. Wie bei der Bundeswehr wurden hier Pläne aufgezeigt, wie eine „Ausmerzung“ vollzogen werden könnte. Alles hypothetisch natürlich. Denn zunächst wird sich der Krieg gegen die Tiere auf eine drastische Minimierung der Wildschweinbestände begrenzen. Das bedeutet im Klartext, dass die Jägerschaft ganz oben auf dem Zettel folgendes stehen hat: 80 % der Wildschweine zu töten. Unsere Frage, wie viele Wildschweine schon jetzt prozentual geschossen werden, wurde nicht beantwortet. Wir vermuten, dass bereits jetzt schon jedes Jahr 75 % der Wildschwein-Bestände den geschätzten 483.000 Hobbyjägern plus 1.000 Berufsjägern in Deutschland zum Opfer fallen. Desweiteren wurden die Schonzeiten für Wildschweine bereits aufgehoben und eine Bejagung ist nun sogar bis zum 31. März möglich.

Unser Fazit: Die Gefahr der Kontaminierung mit dem ASP-Virus wird in erster Linie durch den Menschen vorangetrieben. Unsere an Dr. Piontkowski gerichtete Frage in Bezug auf kontaminierte Gülle wurde als wichtig und richtig erachtet. Die Verantwortung der sachgemäßen Ausbringung der Gülle läge hier eindeutig bei den Bauern. Eine von uns gestellte Frage in Bezug auf die Gefahr der Einschleppung von Viren durch den Jagdtourismus, durch Mastbetriebe, Fleischkonsum, Fleischarbeiter und Tiertransporte wurden nicht eindeutig beantwortet. Desweiteren konnte oder wollte man die Frage, wie viele Schlachtschweine aus den z. Z. mit ASP betroffenen Gebieten in Osteuropa nach Nordrhein-Westfalen bzw. zur Schlachtfabrik Tönnies in Rheda-Wiedenbrück kommen (Europas größter Schlachthof) ebenfalls nicht beantworten. Weiter stellten wir die Frage, ob Mastfutter für Hausschweine auf ASP-Viren untersucht würde. Obschon vor Jahren während der BSE-Krise gefährliche Viren durch Mastfutter verbreitet wurden, löste diese Frage im Saal eine fragwürdige Erheiterung aus. Ferner beträgt die Kontaminationszeit bei der Afrikanischen Schweinepest vier Tage. In dieser Zeit sind keine augenscheinlichen Anzeichen am lebenden Tier zu erkennen. Die Frage, ob bereits geschlachtete Hausschweine auf ASP untersucht werden, wurde durch Herrn Dr. Piontkowski verneint. Anstatt dessen zieht man es vor, jedes Jahr mehr als 40.000 gesunde Wildschweine mit dem vorgeschobenen Grund der drohenden ASP zu töten.

Uschi Kappeler und Camila Cirlini

Gründerinnen des Bündnisses
gegen die Tönnies-Erweiterung